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Frühstück mit Ausblick auf die Kupe
Quelle: Wochenendbeilage von Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg
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Haringe - sogar mein Mann, der aus Westflandern stammt, hatte noch nie davon gehört. An einem dunklen Dezemberabend trotzten wir dem Platzregen und nahmen Kurs auf diese "Höhle des Pluto", wie der Mann unserer Pensionswirtin Liesbeth vom B&B Sint-Maartens Tuin zu sagen pflegt. Nach nur vierundzwanzig Stunden wollen wir erst gar nicht mehr wegfahren. Die Veranda von Sint- Maartens Tuin gibt den Blick frei auf die aufgehende Sonne über der IJzer-Ebene und Gastgeberin Liesbeth verwöhnt ihre Gäste auf kulinarischem Gebiet nach allen Regeln der Kunst. Hinzu kommt die Privatsauna gleich um die Ecke, in der man dem siebten Himmel entgegen schwitzt.
B&B
B&B Sint-Maartens Tuin ist seit Ostern dieses Jahres geöffnet. Der denkmalgeschützte Hof bietet Platz für bis zu 8 Menschen in 4 Doppelzimmern. Alles ist nagelneu und geschmackvoll eingerichtet. Natürliche Farbtöne dominieren, kombiniert mit olivgrün, bordeauxrot, blau oder schokoladenbraun. Zwei Zimmer verfügen über ein Bad, die anderen beiden Zimmer über eine großzügig bemessene Dusche. Die Zimmer mit Dusche liegen direkt unter dem Dach. Die Balken schaffen das gewisse Etwas an Atmosphäre. Überall hängen kleine Flachbildfernseher, aber wer in Sint-Maartens Tuin der Ruhe frönt, kommt erst gar nicht auf die Idee sie einzuschalten. Wirklich imposant ist das riesige Wohnzimmer, das allen Besuchern zur Verfügung steht. Hier kommt der wahre Charakter eines historischen Gutshofs zum Ausdruck. Angesichts der riesigen Balken ist man erst einmal sprachlos. Der genauso riesige Sofa und der Esstisch (12 Personen) machen direkt Lust auf eine Verschnaufpause. Auch der Weihnachtsbaum ragt majestätisch auf. Dies alles wirkt so geräumig und so hell, dass man sich wie ein Liliputaner im Wunderland fühlt. Im Wohnzimmer - ohne Fernseher, zum Glück - serviert Liesbeth ihre selbst zubereiteten und zusammengestellten Menüs. Zum Frühstück geht es in den angrenzenden Verandaraum - der zweite Trumpf, mit dem Sint-Maartens Tuin aufwartet. Dieses Glashaus mit seinem einmaligen Panoramablick besteht aus 180-Grad-Klarglas. Wenn der Blick über die weite IJzer-Landschaft schwebt, sieht man in der Ferne die Hasen vorbei rennen. Erholsamer kann man gar nicht wach werden.
Geschichte
Ein idealer Moment, um zwischendurch in Liesbeths Fotoalbum zu blättern. Darin spiegelt sich die Geschichte, die hinter Sint-Maartens Tuin steckt. Und darauf war ich schon seit meiner Ankunft neugierig, als ich im Wohnzimmer das raumdominierende alte Foto der Familie Cappoen sah, die hier früher gewohnt haben.
Liesbeth Criem und ihr Mann Thierry (der aus Aalst stammt) übernahmen den Hof von ihren Eltern. Diese hatten ihn 1994 von den Erben der Familie Cappoen erworben, um selbst dort zu wohnen. Die schleppend verlaufende Renovierung machte ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. 2000 wurde ein Verstoß gegen das Baurecht festgestellt. Daraufhin lag der Bau fünf Jahre lang still. In dieser Zeit reifte in Liesbeth, die sich inzwischen zu einer sagenhaften Hobbyköchin entwickelt hatte, die Idee, den Hof zur Frühstückspension umzufunktionieren. Ein neuer Architekt flößte
dem Projekt neues Leben ein. Nach ungefähr einem Jahr harter Arbeit war Sint-Maartens Tuin aus der Taufe gehoben. Wer allerdings denkt, dass Sint-Maartens Tuin in Sphären aus längst vergangenen Jahrhunderten schwelgt, der hat sich getäuscht. Im Gegenteil! Aus der Renovierung wurde am Ende eher eine Art Rekonstruktion. Die Balken sind daher alle aus relativ jungem Holz, das Innere ist hell und modern. Respektiert wurde allerdings die Einteilung des Gebäudes: das Fachwerk und die alten Materialien. Übrigens: das Frühstückspanorama war in früheren Zeiten ausschließlich den Schweinen vorbehalten.
Kitchen
Der letzte Junggeselle der Familie Cappoen betrieb den Bauernhof bis 1994. Auf dem alten Foto sieht man, dass einer der anderen fünf Kinder ein so genannter "Commieze" war - ein Zöllner. Denn Haringe liegt nur einen Steinwurf von der französischen Grenze entfernt. Zwar verläuft kein Weg dorthin, aber das war für die Schmuggler in der Gegend nie ein Problem.
Liesbeth kennt zu diesem Thema nicht nur die tollsten Anekdoten, sondern hält auch eine ganze Sammlung an Büchern über die Region bereit. Lesen Sie mehr über die Geschichte von Haringe und seiner Kirche (siehe Textrahmen). Dann werden Sie erfahren, dass Sint-Maartens Tuin seinen Namen dieser denkwürdigen Kirche verdankt: der Garten (tuin) des heiligen Martin. Im Gegensatz zum Hof selbst haben die Gästezimmer noch keinen Namen. ”Ich warte noch auf den richtigen Moment”, meint Liesbeth dazu. ”Ich suche immer noch nach etwas Passendem.” Und genau das ist typisch für unsere Gastgeberin. Auch in der Küche ist sie unermüdlich. ”Ich verwende nur Produkte der Saison. Keine regionalen Spezialitäten”, erläutert Liesbeth. ”Denn die findet man hier überall. Wer danach sucht, sollte lieber in ein Restaurant gehen.” Aber gerade das sollte man lieber nicht tun. Denn was man in Sint-Maartens Tuin vorgesetzt bekommt, schlägt jedes Restaurant: Gaumengenüsse wie Blutwurst und Ziegenkäse, Kürbissuppe, Jakobsfrüchte auf Schwarzwurzel mit Orangensauce, Schweinefilet mit Savoie-Puree und Pastinaken und und und.
Aber keine Sorge: Die überflüssigen Pfunde verliert man wieder bei einem ausgiebigen Spaziergang durch die IJzer-Landschaft. Neben B&B Sint-Maartens Tuin verläuft ein alter Kirchweg, der zum schlaufenförmigen Dode-IJzer-Wanderweg (7,5 km) führt. Über diese Schlaufe sind wir auch gewandert - wenn auch in umgekehrter Richtung. Wandern, Sauna und dann noch Liesbeths kulinarische Genüsse - dass ist Erholung pur - glauben Sie uns.
Text: Sarah DE BEUCKELAER
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